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Burg Prunn und das Nibelungenlied

 

 

Bild: Burg Prunn, Südfassade

Wie das Idealbild einer Ritterburg steht die Burg Prunn auf einem nahezu senkrecht emporragenden Jurafelsen hoch über dem Flusstal der Altmühl südwestlich von Regensburg. So beeindruckend die Burg von der Ferne aussieht, so begeisternd sind die Blicke von dort auf die umgebende Landschaft des Altmühltals.

Herren von Prunn werden erstmals 1037 erwähnt; sie wählten den Ort gewiss auch wegen der günstigen Lage an mehreren Verkehrswegen aus. Die Burg selbst stammt aus der Zeit um 1200, der Blütezeit des Burgenbaus. Damals kam dem Donauraum um Kelheim unter dem bayerischen Herzog Ludwig I. große Bedeutung zu. Zu den ältesten Bauteilen gehört der 31 Meter hohe Bergfried.

1288 erwarb Herzog Ludwig von Bayern die Burg von den Herren von Prunn-Laaber. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts belehnte der Herzog dann das Geschlecht der Fraunberger vom Haag mit der Burg. Ihr Wappen, der Schimmel auf rotem Grund, ziert noch heute weithin sichtbar die Burg.

 

Bild: Raum 5, Wandmalerei

Mächtig und erhaben erscheint der große gotische Saal im Untergeschoss des mittelalterlichen Palas-Traktes. Vom Ehrgeiz und Anspruch der Fraunberger zeugt auch die weitere Ausgestaltung der Burg, etwa fein profilierte gotische Portale und Fragmente von spätgotischen Wandmalereien mit rätselhaften Burgendarstellungen.

Im späten Mittelalter muss Prunn auch kulturell von überregionaler Bedeutung gewesen sein: Nach dem Tod des letzten Fraunberger-Grafen 1566 fand Wiguläus Hund, Geschichtsschreiber und Hofrat Herzog Albrechts V., auf der Burg den so genannten "Prunner Codex", die viertälteste vollständige Handschrift des Nibelungenliedes – des berühmtesten mittelhochdeutschen Heldenepos. Die Handschrift gelangte 1575 nach München in die herzogliche Bibliothek und befindet sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek (Cgm 31).

 

Bild: Seite aus dem "Prunner Codex"

Seite aus dem "Prunner Codex"
© Bayerische Staatsbibliothek

Digitale Version der Handschrift auf der Website der Bayerischen Staatsbibliothek

Wer aber fand die Handschrift auf Prunn, welche Hinweise gibt es auf Verbindungen zu den Burgherren von Prunn und was war der kulturgeschichtliche Kontext, in dem das Nibelungenlied erzählt und niedergeschrieben wurde?

Nachdem sich die Besucher in der Dauerausstellung "Burg Prunn und das Nibelungenlied" auf die Suche nach Antworten auf diese spannenden Fragen begeben haben, erleben sie im Rundgang durch die Burg eine bunte Abfolge von Themenräumen, die verschiedene Motive des Nibelungenlieds mit der Geschichte des Bauwerks und der alltäglichen Lebenswelt seiner Bewohner verknüpft. Anschaulich dargestellt und für den Besucher im wörtlichen Sinn begreifbar werden beispielsweise die Themen Jagd, Kleidung, Recht und die Rolle der Frauen im Mittelalter. Die Ausstellung lädt an mehreren Stellen zum Mitmachen ein.

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